„Via Dolorosa“: Gestaltung des Kirchenraumes in der Stadtkirche Ludwigsburg (nicht realisiert) Das im Folgenden beschriebene Projekt namens „Via Dolorosa“ stellt die Leidensgeschichte (Passion) Christi als Gesamtinstallation, bestehend aus einem Altarbild mit Altartisch und einer aus 13 silberfarbenen nach vorn geneigten Kreuzen bestehenden Skulptur, in moderner Form dar. Im Zentrum steht ein vor der illuminierten Altarnische befindliches vierteiliges Altarbild (Polyptychon). Der Mittelteil zeigt eine Szene des letzten Abendmahls, im linken Seitenteil ist Pontius Pilatus dargestellt, der den von Soldaten gegeißelten Jesus der Volksmenge vorführt („Ecce homo“). Auf dem rechten Seitenteil steht Jesus Christus auf dem Ölberg, von welchem er nach seiner Auferstehung in den Himmel auffuhr. Die Auferstehung wird in dem über dem Mittelteil befindlichen „Hochbild“ in Form von Mondphasen symbolisiert. Sämtliche Personen sind in Rückansicht dargestellt, wobei die im Vordergrund stehenden Betrachter der drei Szenen als moderne Menschen erscheinen. Damit werden letztlich zwei um etwa 2000 Jahre versetzte Zeitebenen im Bild vereint. Die 13 Kreuze symbolisieren die nach Matthäus 11,28 – 30 genannten „Mühlseligen und Beladenen“ der heutigen Zeit, also etwa aus ihrer Heimat wegen Krieg, Armut oder Klimaveränderungen Vertriebene, Flüchtlinge, Soldaten, Gefolterte, Hungernde, zu Unrecht Inhaftierte oder Verfolgte, die von Jesus zu sich gerufen werden: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Matthäus 11,25-29LU17). Die als Gruppe aufgestellten und nach vorn geneigten Kreuze symbolisieren dabei das „Joch“, wobei sich diese „Gruppe“ dem Altar nähert. Damit wird eine interaktive, insbesondere visuelle und haptische (durch berührbare Kreuzskulpturen) Erfahrbarmachung all des auch heute noch bestehenden Elends in der Welt angestrebt. Das Projekt „Via Dolorosa“ erhebt damit den Anspruch, den Kontemplativraum der Stadtkirche emotional zusätzlich aufzuladen, den Betrachtern die Passion anschaulich und erfassbar zu machen und den Leidensweg Christi in die Gegenwart zu transformieren. Diese Zeittransformation des damaligen historischen Geschehens soll der Besucher dadurch erleben können, dass er nach Betreten der Stadtkirche über den Mittelgang zu der aus 13 (berührbaren) Kreuzskulpturen bestehenden Installation vorbei zum Chorraum über das Altarpodest auf das an einem stark reduzierten Altartisch installierte Altarbild geleitet wird. Die Betrachtung des Altarbildes soll schließlich im Rezipienten die Assoziation evozieren, selbst zur Gruppe der in dem Triptychon dargestellten, Jesus hinterherschauenden und dessen Verurteilung sowie des Auffahrens in den Himmel am Ölberg beobachtenden Personen zu gehören. Gleichzeitig soll eine damit verbundene Sensibilität für die heute weltweit „Mühseligen und Beladenen“ ausgelöst werden. Abb. 1: Gesamtinstallation mit Altarbild (Polyptychon) und Tisch vor illuminierter Altarnische sowie Kreuzskulptur in leichter Vogelperspektive während einer Predigt Altarbild (Polyptychon) Das Polyptychon (Abb. 2) besteht aus einem Triptychon mit einem wiederum aus drei Teilen bestehenden Mittelteil (drei Leinwände je 180 cm x 100 cm) und zwei Seitenteilen (je 180 cm x 100 cm) sowie aus einem darüber liegenden „Hochteil“ (etwa 60 cm x 300 cm). Abb. 2: Vierteiliges Polyptychon mit Altartisch, (3-teiligem) Mittelteil, Seitenteilen und Hochteil Mittelteil: Gezeigt wird eine Szene, in welcher 12 männliche Personen vor einem mit einer weißen Tischdecke gedeckten Tisch in Rückansicht stehen und einer weiteren Person im Hintergrund, welche gerade im Begriff ist, den Raum zu verlassen (Abb. 2 Mittelteil). Die Architektur des Raumes lehnt sich an das im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie in Mailand befindliche berühmte Wandgemälde „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci aus dem Jahr 1498, an, ist aber stilistisch sowie farblich stark reduziert. Dabei soll die das Bild bestimmende zentral-perspektivische Architektur des Abendmahlraumes die Innenraumarchitektur der Stadtkirche aufnehmen und fortsetzen. Die 12, zum Teil überrascht, zweifelnd oder hilflos, mitunter auch gleichgültig wirkenden Personen könnten mit den am letzten Abendmahl teilnehmenden Jüngern konnotiert werden. Bei deren Darstellung wurde aus dramaturgischen Gründen eine gewisse Uniformierung in Form zeitgemäßer weißer Hemden und schwarzer Hosen gewählt. Die 13. Person soll Jesus Christus wiedergeben und wurde in klassischer Form dargestellt, um diese von den „modernen Jüngern“ oder Betrachtern im Bild im Sinne einer Zeittransformation abzuheben. Die 12 Männer können grundsätzlich sowohl als „moderne Jünger“, als auch als fiktive Zuschauer der bereits stattgefundenen Abendmahlszene, also letztlich als „Menschen von heute“ interpretiert werden. Insofern legt die Szenerie auch die Hilflosigkeit der heutigen Menschen gegenüber dem damaligen Geschehnis offen und es lässt sich durchaus die Frage stellen, wie diese reagieren würden, wenn das Ereignis in der Gegenwart stattfinden würde. Seitenteile: Das linke Seitenteil (Abb. 2 links) zeigt die Szene, in der Pontius Pilatus (römischer Präfekt von Judäa) den von Soldaten gegeißelten Jesus der Volksmenge vorführt („Ecce homo“). Die Darstellung lehnt sich an ein Gemälde von Antonio CISERI (1871) an, wobei Teile davon bei der Komposition als Hintergrundszene dienten und die davorstehenden „Jünger“/Zuschauer sich quasi vom Mittelteil aus fortsetzen. Ebenso wiederholt sich die Person Jesu in derselben Rückansicht wie auf dem Mittelteil. Auf dem rechten Seitenteil (Abb. 2 rechts) wird Jesus (wieder in Rückansicht) auf dem Ölberg dargestellt, von welchem er nach seiner Auferstehung in den Himmel auffuhr und ebenfalls von davorstehenden „Jüngern“/Zuschauern, welche sich in gleicher Weise wieder vom Mittelteil aus fortsetzen, beobachtet wird. Hochteil: Als Symbol der Auferstehung Christi wurden Mondphasen gewählt (Abb. 2), deren bildliche Darstellung über dem Mittelteil des Altartriptychons angeordnet ist (Abb. 1 und Abb. 2). Der Mond gilt als ältestes Astralsymbol, der in seinen verschiedenen Phasen Sterben und Auferstehen vorlebt. Als Dunkelmond ist er gestorben, als Neumond ersteht er nach drei Tagen [Lurker, M., Wörterbuch der Symbolik, Kröner Verlag Stuttgart, 2019]. Video „Der Dallas-Mythos“ (Nominierung zum DA!art award „Die Macht des Mythos“, Stadtmuseum Düsseldorf, 2022): Wer sich mit Verschwörungen und damit einhergehend mit Verschwörungstheorien auseinandersetzt, kommt nicht an der Frage vorbei, ob eine solche tatsächlich vorliegt oder nicht. Gerade in der gegenwärtigen Zeit, in der die Medien vor Verschwörungstheorien nur so strotzen, muss man sich in jedem einzelnen Fall mit dieser Frage intensiv auseinandersetzen. Diese Problematik kann sehr gut anhand des Attentates auf den amerikanischen Präsidenten JFK (Kennedy) im Jahre 1963 in Dallas (Texas) reflektiert werden, um welches sich mehr Verschwörungstheorien ranken, als um viele andere Ereignisse aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Es handelt sich dabei um den klassischen Fall, in dem jeder Ansatz einer Erklärung a priori Gefahr läuft, zu einer „Verschwörungstheorie“ zu mutieren. Filmisch umfangreich dokumentiert, wird seit über mehr als fünfzig Jahren die Frage diskutiert, ob das Attentat von einem Einzeltäter verübt wurde, wie seinerzeit von der WARREN-Kommision behauptet, oder aber eine Gruppe von „Verschwörern“ dahinterstand. Warum wurde der vermeintliche Kennedy-Attentäter Lee Harvey OSWALD kurz nach seiner Verhaftung durch den Nachtclub-Besitzer Jack RUBY erschossen? Folgt man der Theorie des Einzeltäters, so könnte dies bereits als eine von Verschwörern lancierte „Verschwörungstheorie“ gedeutet werden, ebenso wie die Annahme, dass die Mafia- und/oder sogar Regierungsorganisationen hinter dem Mord standen. Es gibt bis zum heutigen Tag keine absolute Wahrheit, sondern nur Vermutungen bzw. Theorien. In diesem Zusammenhang vertritt der Unterzeichner übrigens die Meinung, dass es grundsätzlich nur Theorien geben kann, da der rein sprachliche Begriff „Verschwörungstheorie“ unmittelbar zu Stigmatisierungen bzw. Manipulationen führen kann. Das Video „Der Dallas-Mythos“ soll dazu beitragen, sich kritisch mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Bei den gezeigten Computersimulationen handelt es sich nicht um einfache Animationen, sondern um auf Basis realer Daten (Geometrie, Anatomie, Materialparameter etc.) generierte Modellierungen und Berechnungen mittels geeigneter Computersoftwaren (Finite Elemente Methode), aus der früheren Tätigkeit des Unterzeichners stammend. So werden im Video anhand der nach dem Filmausschnitt der Kennedy-Rede in Berlin eingeblendeten frontalen und seitlichen Kennedy-Portraits zunächst sogenannte computergestützte Grafiken bzw. Modellierungen erzeugt, in welchen die am Kopf sichtbaren Linienstrukturen „Rechennetze“ darstellen. Mit Hilfe dieser Modellierungen erfolgt dann die dreidimensionale Rekonstruktion des kompletten Kopfes bzw. Schädels, womit die Berechnung und Simulation der Interaktion zwischen eindringendem Geschoss und Schädel ermöglicht wird. Weiterhin sind damit Simulationen von „Verletzungsszenarien und -strategien“ am Computer möglich, die dann die Grundlage für eine „optimale“ Umsetzung in der Realität bilden (in diesem Fall die Elimination von JFK). Diese Filmsequenzen sollen im Sinne einer Allegorie eine mögliche „Planungs-Macht“ im Hintergrund des Attentates symbolisieren, die einem Einzeltäter mit einem veralteten Gewehr niemals zur Verfügung gestanden haben kann. https://art-silber.de/wp-content/uploads/2023/Der%20Dallas-Mythos.mp4 Video „Zieloptimierung“ (ausgestellt in „Der Tod ist ein Meister aus Ulm“, Kunstpool-Galerie Ulm, 2021): Heutige Waffentechnologien basieren in hohem Maße nicht zuletzt auf Methoden zum Zwecke einer effektiven Schadensrealisierung am Gegner. Soll heißen, dass man möglichst im Vorhinein wissen möchte, wie eine Waffe optimal einzusetzen ist und wie die Zerstörung eines Zieles maximiert werden kann (Zieloptimierung, Elimination des Gegners). Stellvertretend anhand des historischen Ereignisses des Kennedy-Attentates wird eine dieser Methoden als Allegorie in Videotechnik skizziert, wobei der Schuss das Unheil aller Waffentechnik symbolisiert. So handelt es sich bei den gezeigten Computersimulationen nicht um einfache Animationen, sondern um auf Basis realer Daten (Geometrie, Anatomie, Materialparameter etc.) generierte Modellierungen und Berechnungen mittels geeigneter Computerprogramme (insbesondere FEM). Das Video evoziert überdies eine Verschränkung unterschiedlicher Realitäten: die am Computer erzeugte streng-wissenschaftliche Realität, quasi in Form einer ökonomischen und „emotionslosen“ Tötungsplanung einerseits sowie die per ZAPRUDER-Film wiedergegebene Geschehensrealität andererseits. Beide stellen unterschiedliche Abbildungen des „realen oder wahren“ Geschehens dar. https://art-silber.de/wp-content/uploads/1630/50/Zieloptimierung.mp4